
In den Altöttinger Fastengottesdiensten 2025 geben Ordensfrauen und -männer Zeugnis über ihre Ordensgründerinnen und -gründer, die uns als „Pilger der Hoffnung“ vorangegangen sind. Am vierten und letzten Abend stand Maria Ward im Fokus.
Pilger der Hoffnung“ lautet das Wallfahrtsmotto im Heiligen Jahr und außerdem das Thema der traditionellen vier Altöttinger Fastengottesdienste. Am 3. April sprach Schwester Elisabeth Freund CJ (Kloster der Congregatio Jesu) in ihrem Glaubenszeugnis über Maria Ward (1585−1645) und stellte fest: „Maria Ward lebte aus der Hoffnung – gegen allen Widerstand.“ Es war ein abenteuerreiches Leben, das zeigt, wie weit Hoffnung, Glaube und ein gesundes Selbstbewusstsein tragen können …

… Und wie wichtig die Tatkraft ist: „Schenkt Worten keinen Glauben, wenn nicht Werke dahinter stehen“, war laut Schwester Elisabeth das Motto Maria Wards. Sie wollte sich – auch als Frau und ohne Einschränkungen – einsetzen: dort, wo die Not am größten war, und für Mädchen, die in Schulen auch endlich eine Chance auf Bildung erhalten sollten. Denn davon war Maria Ward fest überzeugt: „Dass es nach Gottes Schöpfungsplan zwischen Männern und Frauen keinen Unterschied in Wert und Würde gibt“, wie es Schwester Elisabeth zusammenfasste. Sie betonte: „Maria Ward kann und will Frauen Mut machen – damals wie heute.“
Auf den ersten Blick mag Maria Ward als Gescheiterte erscheinen: Ihr Werk blieb viele Jahrhunderte ohne kirchliche Bestätigung – und nach wie vor müssen Frauen in vielen Teilen der Welt um Gleichberechtigung kämpfen. Und doch zeigt das Beispiel der Maria Ward, dass sich das Kämpfen lohnt, dass Hoffnung Früchte trägt, wie Schwester Elisabeth bemerkte: Im Jahr 2004 wurden „die Konstitutionen, die Maria Ward vorbereitete, und der Name ‚Congregatio Jesu‘, den sie wünschte“, schließlich doch von der Kirche anerkannt; Maria Ward selbst erhielt 2009 den Ehrentitel „Ehrwürdige Dienerin Gottes“; und ihr Herzensprojekt hat sich im Laufe der Jahrhunderte längst etabliert:
Schwester Elisabeth: „Heute sind wir eine internationale Gemeinschaft von etwa 2000 Schwestern in mehr als 50 Ländern auf allen fünf Kontinenten“, stellte Schwester Elisabeth fest. „In den Maria-Ward-Schulen werden weltweit etwa drei Millionen Schülerinnen und Schüler unterrichtet.“
Ein Erfolg, der vor rund 400 Jahren nicht zu erwarten war. „Eine Gemeinschaft apostolischer Frauen ohne Klausur war damals undenkbar“, blickte Schwester Elisabeth zurück. Als Maria Ward mit ihren Anliegen im Gepäck nach Rom pilgerte, ließ Papst Urban VIII. im Jahr 1631 die Gemeinschaft der sogenannten „Englischen Fräulein“ verbieten, Schulen wurden geschlossen – und deren Gründerin landete unter Häresieverdacht in Haft. Zwar schien der Papst von Maria Wards Persönlichkeit sehr beeindruckt gewesen zu sein, doch mit ihrer Idee einer apostolischen Lebensweise für Frauen war sie ihrer Zeit viel zu weit voraus.
Umso bemerkenswerter, dass Maria Ward nicht aufgab. „Sie behielt ihren Humor, der ihr immer wieder erlaubte, Atem zu holen und die Last ihrer Nöte für einen Augenblick abzustellen“, erklärte Schwester Elisabeth. „Sie wollte, dass auch ihre Gefährtinnen frei von Misstrauen waren, Heiterkeit ausstrahlten und als frohe Menschen lebten.“
Vierter Altöttinger Fastengottesdienst – Impressionen
Fotos: Roswitha Dorfner
Widerstandskraft musste Maria Ward bereits in jungen Jahren üben, wie Schwester Elisabeth zurückblickte. Als Kind erlebte sie „die warmherzige Atmosphäre ihres Elternhauses“, aber auch „die Grausamkeit der Katholikenverfolgung“ in England am Übergang vom 16. ins 17. Jahrhundert. „In dieser schwierigen Zeit wuchs in Maria Ward die Sehnsucht, alles für Christus zu geben“, erzählte Schwester Elisabeth. Und auch, als Rom ihre Pläne durchkreuzte, sei Maria Wards Glaube unerschüttert geblieben: „Wie gut sind deine Taten geordnet, mein Herr und Gott. Damals sagtest du, dass die Gerechtigkeit die beste Verfassung sei. Jetzt zeigst Du mir, wie solche Gerechtigkeit erlangt wird“, zitierte Schwester Elisabeth die Ordensgründerin.
Für Schwester Elisabeth ist und bleibt Maria Ward ein Vorbild: „Sie lehrt uns: Hoffnung bedeutet, auf Gott zu bauen, mutig neue Wege zu gehen und sich nicht entmutigen zu lassen“, stellte sie fest und sagte: „Bitten wir sie, dass wir mit ihrem Geist leben: frei, mutig und voll Hoffnung auf Gott.“

Michael Glaß
Redakteur