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König Karlmann und Altötting

König Karl­mann, gebo­ren um das Jahr 830, war der ältes­te Sohn König Lud­wigs des Deut­schen, eines Enkels Karls des Gro­ßen. In der Reichs­ord­nung von 817 wur­den Lud­wig dem Deut­schen von sei­nem Vater Kai­ser Lud­wig dem From­men Bay­ern sowie die angren­zen­den Län­der der Karan­ta­nen, der Böh­men, der Sla­wen und der Awa­ren zuge­spro­chen. In die­sem Teil­reich inner­halb des Fran­ken­rei­ches soll­te Lud­wig ab 826 unter der Ober­ho­heit sei­nes Vaters und – nach des­sen Tod – sei­nes ältes­ten Bru­ders, des Kai­sers Lothar, als König herr­schen. In die­sem Teil­reich lag auch (Alt-)Ötting, das seit Janu­ar 831 als Ort einer Königs­pfalz über­lie­fert ist, die – davon dür­fen wir aus­ge­hen – Lud­wig der Deut­sche errich­ten ließ. Da die­ser sich im Janu­ar 831, im März 832 und von Febru­ar bis April 837 in Ötting auf­hielt, dürf­te auch sein Sohn Karl­mann einen Teil sei­ner Kind­heit dort ver­bracht haben. Eine sei­ner Schwes­tern war die von ca. 831 bis 866 leben­de, bereits um 1000 als Seli­ge ver­ehr­te und 1928 von Papst Pius XI. selig gespro­che­ne Äbtis­sin Irmen­gard von Frau­en­chiem­see. Sei­ne Mut­ter Hem­ma war eine Toch­ter des frän­kisch-ale­man­ni­schen Gra­fen Welf und eine Schwes­ter der Stief­mut­ter ihres Gemahls Lud­wig des Deut­schen, der Kai­se­rin Judith.

Nach dem Tod Kai­ser Lud­wigs des From­men am 20. Juni 840 teil­ten des­sen Söh­ne Lothar, Lud­wig der Deut­sche und Karl der Kah­le im August 843 im Ver­trag von Ver­dun das Fran­ken­reich unter sich auf. Dabei erhielt Lud­wig neben dem um die im Osten und Süd­os­ten anlie­gen­den Län­der ver­grö­ßer­ten Bay­ern, das auch das deut­sche Tirol umfass­te, die deut­schen Län­der von der Elbe bis zum Mit­tel­rhein mit den Diö­ze­sen Mainz, Worms und Spey­er links des Rheins und das im Wes­ten von der Aare begrenz­te Gebiet süd­lich des Rheins.

Im Jah­re 856 betrau­te Lud­wig der Deut­sche sei­nen Sohn Karl­mann mit der Lei­tung der Ost­mark, des heu­te öster­rei­chi­schen und west­un­ga­ri­schen Gebiets öst­lich der Enns, bevor er 865 das von ihm beherrsch­te Ost­fran­ken­reich wie folgt unter sei­ne Söh­ne Karl­mann, Lud­wig und Karl auf­teil­te: Karl­mann soll­te Bay­ern und die Mar­ken gegen die Sla­wen und gegen Ita­li­en, Lud­wig Fran­ken, Thü­rin­gen und Sach­sen und Karl Ala­man­ni­en und Churr­hä­ti­en erhal­ten. Zu sei­nen Leb­zei­ten behielt sich aller­dings der Vater die vol­le könig­li­che Gewalt und die Ver­fü­gung über das Kron­gut vor; den Söh­nen wur­den solan­ge nur bestimm­te Pfal­zen und die Ent­schei­dung in Ange­le­gen­hei­ten gerin­ge­ren Belangs überlassen.

Nach dem Tod Lud­wigs des Deut­schen am 28. August 876 trat Karl­mann in den in der Reichs­tei­lung von 865 ihm zuge­spro­che­nen Gebie­ten die Königs­herr­schaft an. Die Ver­wal­tung der Mar­ken Pan­no­ni­en (das heu­ti­ge Nie­der­ös­ter­reich und Tei­le West­un­garns) und Kärn­ten über­gab er aller­dings sei­nem ille­gi­ti­men Sohn Arnolf, den er mit einer edlen Frau namens Liuts­wind gezeugt hatte.

In (Alt-)Ötting grün­de­te Karl­mann ein Klos­ter, das er am 24. Febru­ar 877 mit der Abtei Matt­see, der Hof­ka­pel­le in Ötting und sei­nem Hof in Buch (süd­west­lich von Alt­öt­ting) dotier­te. Auch erbau­te er an die­sem Pfalz­ort eine neue Basi­li­ka, eine Vor­läu­fe­rin der heu­ti­gen Stifts­kir­che, und beschenk­te sie am 9. Sep­tem­ber 878 mit sei­nem Königs­hof zu Tref­fen bei Vil­lach in Kärn­ten. Außer­dem stat­te­te er sie mit den Leich­na­men des Hei­li­gen Maxi­mi­li­an und der hei­li­gen Mär­ty­rin Feli­zi­tas aus. Im Vor­gän­ger­bau des heu­ti­gen Alt­öt­tin­ger Okto­gons hin­ge­gen bewahr­te er ein Kör­per­teil des Apos­tels Phil­ipp sowie die Reli­qui­en sehr vie­ler ande­rer Hei­li­ger auf. Schon in einem Diplom sei­nes Enkels König Lud­wig des Kin­des wird Ötting als hoch­hei­li­ger Ort“ bezeichnet.

Im Spät­som­mer 877 zog König Karl­mann mit einem Heer nach Ita­li­en und ließ sich am 17. oder am 18. Okto­ber die­ses Jah­res in Pavia von den Bischö­fen und Gro­ßen auch als König in Ita­li­en hul­di­gen. An einem beab­sich­tig­ten Wei­ter­zug zur Kai­ser­krö­nung nach Rom wur­de er aber gehin­dert, da in sei­nem Heer eine Seu­che aus­ge­bro­chen war. Auch er selbst erkrank­te so schwer, dass er im Spät­herbst 877 von Vero­na nach Bay­ern in einer Sänf­te zurück­ge­tra­gen wer­den muss­te und sich nie mehr ganz erho­len konn­te. Von Anfang Dezem­ber 877 bis Mit­te März 878 hielt er sich in sei­ner Königs­pfalz in Ötting auf. Am 10. Febru­ar 879 war er wie­der dort anzu­tref­fen, wie aus einer von ihm an die­sem Tag aus­ge­stell­ten Urkun­de her­vor­geht. In der Fol­ge­zeit kam Karl­mann bis zu sei­nem Tod nicht mehr von Ötting fort, da sich sei­ne Krank­heit ver­schlim­mer­te und ihm über­dies ein Schlag­an­fall die Spra­che raub­te. Sei­ne letz­te Urkun­de ist auf den 11. August 879 datiert. Danach trat er, da er wegen sei­ner üblen kör­per­li­chen Ver­fas­sung dem von mit­tel­ita­li­schen Fürs­ten und Sara­ze­nen bedräng­ten Papst Johan­nes VIII. nicht zu Hil­fe kom­men konn­te, sei­ne Königs­herr­schaft über Ita­li­en an sei­nen Bru­der Karl ab. Wohl im Herbst 879 bestell­te der nun­mehr tod­kran­ke Karl­mann sei­nen ande­ren Bru­der Lud­wig zu sich und emp­fahl die­sem und des­sen Für­sor­ge sich selbst, sei­ne Gemah­lin, sei­nen Sohn und sein Reich. In einem am 15. Novem­ber 889 aus­ge­stell­ten Diplom sei­nes Soh­nes Arnolf, der Ende Novem­ber 887 von den Gro­ßen des ost­frän­ki­schen Rei­ches zu des­sen König gewählt und im Febru­ar 896 in Rom von Papst For­mosus zum Kai­ser gekrönt wur­de, wird als Todes­tag Karl­manns der 22. Sep­tem­ber genannt. Als Todes­jahr kom­men 879 oder 880 in Betracht. Inhalt­lich einer auf den 17. Okto­ber 898 datier­ten Kai­ser­ur­kun­de des besag­ten Arnolf wur­de der Leich­nam König Karl­manns auf dem Hof­gut Ötting bestattet.

Bei sei­nen Zeit­ge­nos­sen war König Karl­mann offen­bar hoch­an­ge­se­hen. So wird des­sen Wesen in der nach 900 ver­fass­ten Welt­chro­nik Regi­nos von Prüm, Abt von St. Mar­tin in Trier, wie folgt cha­rak­te­ri­siert: Es war aber die­ser sehr vor­treff­li­che König in den Wis­sen­schaf­ten wohl­un­ter­rich­tet, der christ­li­chen Reli­gi­on erge­ben, gerecht, fried­lie­bend und mit aller Ehr­bar­keit der Sit­ten geziert; die Schön­heit sei­nes Kör­pers war außer­or­dent­lich und auch die Stär­ke an ihm bewun­derns­wert; die­ser aber ent­sprach sein Hoch­sinn. Denn sehr vie­le Krie­ge führ­te er zusam­men mit sei­nem Vater und noch mehr ohne ihn in den Rei­chen der Sla­wen, und stets trug er den Tri­umph des Sie­ges davon; die Gren­zen sei­nes Rei­ches mehr­te und erwei­ter­te er mit dem Schwert; den Sei­nen zeig­te er sich mild, den Fein­den furcht­bar, im Gespräch leut­se­lig, mit Demut geschmückt, in der Ord­nung der Reichs­an­ge­le­gen­hei­ten unge­mein tüch­tig, so dass ihm durch­aus nichts zu feh­len schien, was einer könig­li­chen Majes­tät zukommt.“

In einem im Jah­re 1698 in Mün­chen her­aus­ge­ge­be­nen Buch, des­sen Ver­öf­fent­li­chung am 17. Novem­ber 1697 von Sei­ten des Bis­tums Frei­sing geneh­migt wur­de, ist König Karl­mann – eben­so wie Her­zog Lud­wig I. von Bay­ern, der Grün­der des im 13. Jahr­hun­dert errich­te­ten Kol­le­gi­at­stif­tes Alt­öt­ting – als gott­se­lig“ über­lie­fert. In die­sem lite­ra­ri­schen Werk wird König Karl­manns in fol­gen­den Wor­ten gedacht: … Dahe­ro, nach­dem die drey mäch­ti­gis­te Erben Königs LUDO­VICI (= Lud­wig der Deut­sche) in Bay­ren, nem­lich CARO­LO MAN­NUS, LUDO­VICUS (= Lud­wig der Jün­ge­re) und der ande­re CARO­LUS (= Karl der Dicke), ihre Land­schaf­ten get­heilet und dem Ers­ten auch Nider Bayrn zuge­stan­den, gedach­te der Gott­see­li­ge Herr auff alle Mit­tel und Weeg, die Andacht gegen all­hie­si­gem Gna­den-Bild noch mehr zu beför­de­ren. Zu disem End wur­de von ihm ein schö­nes Clos­ter St. Bene­dict Ordens all­hier erbau­et und des­sen Geist­li­chen die H(eilige) Capell über­ge­ben, damit sie die Mut­ter GOt­tes mit bestän­di­ger Andachts-Ubung bedie­nen, auch die umli­gen­de Dorff­schaf­ten in Catho­li­scher Lehr unter­wei­sen und denen ankom­men­den Wal­fahr­tern mit geist­li­cher Hülf abwar­ten sol­ten, wie dann sol­ches auch volzo­gen und von CARO­LO MAN­NO das Clos­ter mit vil­len Gütern reich­lich gestifft und beschen­ket wor­den. Disem gros­sen Hel­den CARO­LO MAN­NO, der sein Leben all­hie beschlos­sen, folg­te der groß­mü­ti­ge Kay­ser CARO­LUS, der Dicke zugenant, mit frey­ge­bi­ger Ert­hei­lung vil­ler andern Güter.

Über den das Werk König Karl­manns erneu­ern­den Her­zog Lud­wig I. von Bay­ern (11831231), einen Urgroß­va­ter des gro­ßen Mari­en­ver­eh­rers Kai­ser Lud­wig des Bay­ern, ist in dem oben genann­ten Buch fol­gen­des vermerkt: 

… Dann um das Jahr 1228 oder doch Anno 1231 hat Hertzog LUD­WIG, OTTO­NIS deß Gros­sen Sohn, einen neu­en Eyfer zu disem H(eiligen) Hauß gefas­set, krafft des­sen er ange­tri­ben sich ent­schlos­sen, ein neue Kirch unter dem Titl der HH. (= Hei­li­gen) Apost­len PHIL­IP­PI und JACO­BI zu erbau­en, auch 12 Chor-Her­ren samt einem Probs­ten dahin zu ver­ord­nen, wel­che die bestän­di­ge Kir­chen-Aemp­ter ver­se­hen und denen Wal­fahr­te­ren in allen Geist­li­chen Diens­ten ver­hül­flich seyn sol­ten. Es hat aber die­ser from­me Fürst nach Erbau­ung deß Chor-Stiff­ts sel­bi­ges nit allein mit ergi­bi­gen Renn­ten ver­se­hen, son­der auch denen Chor-Her­ren gewis­se Lebens-Sat­zun­gen – neben der Gele­gen­heit, zu woh­nen – ver­ord­net; ist auch noch in dem Bau zu sehen – fast wie in einem Clos­ter –, das man von einer Woh­nung zur ande­ren hat kom­men mögen. Von dem Exem­pel dises Gott­see­li­gen Fürs­ten und durch den löb­li­chen Eyfer der Chor-Her­ren ist hier­auf die Ehr der Mut­ter Got­tes noch mehr befür­de­ret wor­den, in deme der Zulauff so starck gewach­sen, daß die letzt erbau­te Kirch sol­chen nit wol mehr fas­sen kunte.

Ver­fasst hat das besag­te Buch der im Jah­re 1695 ver­stor­be­ne Dr. theol. Johann Franz Wämp(e)l, Chor­herr in der Stifts­kir­che zu Alt­öt­ting und Custos (= Schatz­meis­ter) der dor­ti­gen Hei­li­gen Kapel­le. Die­ser war – wie aus dem Titel­blatt von deren Rech­nung vom Jah­re 1690 her­vor­geht – bereits damals kur­fürst­li­cher Geist­li­cher Rat und der Geist­li­che Direk­tor der Hei­li­gen Kapelle.

Nach der Ein­eb­nung des Hoch­gra­bes mit den Gebei­nen König Karl­manns im Kir­chen­schiff der Alt­öt­tin­ger Stifts­ba­si­li­ka im Juni 1619 wur­den zwei Mar­mor­ta­feln ange­fer­tigt, von denen eine an der Innen­sei­te der Süd­mau­er die­ses Got­tes­hau­ses gegen­über der Stel­le, an der sich die­ses Hoch­grab befun­den hat­te, ange­bracht ist. Durch die Gott­se­lig­keit König Karl­manns gewinnt fol­gen­de latei­ni­sche Inschrift, die auf die­ser Mar­mor­ta­fel zu lesen ist, eine höhe­re Bedeutung:

HIC OLIM
CARO­LO­MANNVS
AVT SITVS FVIT
AVT FVIS­SE CREDIT­VR.
HINC MIGRA­VIT IN
CHORVM, ANIMVS
IN COELVM.

Die Über­set­zung ins Deut­sche lau­tet hier­zu fol­gen­der­ma­ßen:
Hier war einst Karl­mann ent­we­der gele­gen oder man glaubt, dass er hier gele­gen gewe­sen sei. Von hier wan­der­te er in den Chor (die­ser Kir­che), sei­ne See­le in den Him­mel.“
Am 22. Sep­tem­ber 2000 wur­de von Stift und Stadt Alt­öt­ting ein jähr­li­cher Gedenk­tag für König Karl­mann fei­er­lich ein­ge­führt. Die Bedeu­tung des deut­schen Kai­ser- und König­tums für die Geschich­te die­ses Ortes wur­de damit ins rech­te Licht gerückt.
Die fei­er­li­che Hand­lung begann vor dem Alt­öt­tin­ger Rat­haus mit der Wei­he der König-Karl­mann-Fah­ne, die in den Stadt­far­ben Rot und Weiß und mit Mono­gramm die­ses Herr­schers gestal­tet ist. Beim His­sen die­ser Fah­ne feu­er­ten drei­zehn Schüt­zen einen drei­fa­chen Ehren­sa­lut. Der Gedenk­got­tes­dienst wur­de in der Stift­s­pfarr­kir­che St. Phil­ipp und Jakob zelebriert.

Die Gebeine König Karlmanns

Die Gebei­ne König Karl­manns sind seit dem Jahr 1619 im Chor der Stift­s­pfarr­kir­che von Alt­öt­ting unmit­tel­bar vor dem vor dem Hoch­al­tar befind­li­chen Altar bestat­tet. Sie sind nur noch frag­men­ta­risch in spär­li­chen Über­res­ten erhal­ten, mit denen eine Mes­sing­schüs­sel gefüllt ist, die unter einer klei­nen qua­dra­ti­schen Grab­plat­te (41 mal 41 cm) bei­gesetzt ist.

Der küm­mer­li­che Erhal­tungs­zu­stand der Gebei­ne könn­te wohl auf eine Plün­de­rung der ursprüng­li­chen Grab­le­ge König Karl­manns wäh­rend der Ungarn­ein­fäl­le in Bay­ern zu Anfang des 10. Jahr­hun­derts zurück­zu­füh­ren sein. In die­sem Fall bekä­men fol­gen­de latei­ni­sche Wor­te, die auf einer der heu­ti­gen Grab­stät­te König Karl­manns vor­ge­la­ger­ten Plat­te aus rotem Mar­mor in Metall­buch­sta­ben ein­ge­las­sen sind, einen tie­fe­ren Sinn:

A(NNO) P(OST) C(HRISTVM) N(ATVM) MDCXIX
HVCMEDIO TEM­PLI
MIGRA­VE­RE CINE­RES ET
PAV­CORVM RELI­Q­VIAE
OSSI­UM
CARO­LO­MAN­NI
ITA­LIAE ET BOIA­RIAE
REGIS HVIVSQ(VE) AEDIS
SACRAE CON­DI­TO­RIS HIC
DEFVNC­TI A(NNO) DCCCXXC.
HVN(N)VS IMPIVS TEMPLV(M)
FLAMMA PRA­EDA­Q­VE
EXHAV­SIT ET NIL NISI
PVLVE­REM RELI­Q­VIT ET,
QVOD MINVS ESTNIHIL.

Die Über­set­zung ins Deut­sche lau­tet hier­zu wie folgt:
Im Jah­re 1619 nach Chris­ti Geburt wan­der­ten hier­her aus der Mit­te der Kir­che die Asche und die Über­res­te weni­ger Gebei­ne Karl­manns, des Königs von Ita­li­en und Bay­ern und des Stif­ters die­ses hei­li­gen Hau­ses, der hier im Jah­re 880 gestor­ben ist. Der gott­lo­se Hun­ne hat die Kir­che durch Brand und Raub geleert und nur Staub übrig­ge­las­sen und, was weni­ger ist, gar nichts.“

Der Kapuzinerbruder, der König und der Herzog

Was haben ein Kapu­zi­ner­bru­der, ein König und ein Her­zog gemein­sam? Sie alle gal­ten bzw. gel­ten als gott­se­lig“.

Der Kapu­zi­ner­bru­der Kon­rad Birn­dor­fer von Par­zham (18181894) trat am 17. Sep­tem­ber 1851 in den Kapu­zi­ner­or­den ein und war 41 Jah­re lang als Pfört­ner des Klos­ters St. Anna in Alt­öt­ting tätig. Er war ein gro­ßer Ver­eh­rer der Hei­li­gen Eucha­ris­tie und der Mut­ter Got­tes, in deren Gna­den­ka­pel­le er täg­lich bei der Hei­li­gen Mes­se minis­trier­te. Durch auf­op­fern­de Lie­bes­tä­tig­keit an Hun­dert­tau­sen­den von Wall­fah­rern, Armen, Kin­dern und Hand­werks­bur­schen erober­te er sich das Herz des Vol­kes. Als er am 21. April 1894 starb, hin­ter­ließ er den Ruf der Hei­lig­keit. Sei­ne Selig­spre­chung erfolg­te am 15. Juni 1930, sei­ne Hei­lig­spre­chung am Pfingst­sonn­tag dem 20. Mai 1934.

Am 14. Okto­ber 1912 wur­de der Leich­nam Bru­der Kon­rads unter Assis­tenz des Bischofs von Pas­sau aus der Gruft des Kapu­zi­ner­klos­ters St. Anna erho­ben und unter kirch­li­cher Zere­mo­nie fei­er­lich in einen Metall­sarg gelegt und in der alten St. Anna-Kir­che in Alt­öt­ting bei­gesetzt. Über die­sen Vor­gang wird in einer Notiz der Alt­öt­tin­ger Zei­tung berich­tet, in der Bru­der Kon­rad mehr­mals als gott­se­lig“ bezeich­net ist. Schon 18 Jah­re nach sei­nem Tod und fast 18 Jah­re vor sei­ner Selig­spre­chung galt also Bru­der Kon­rad als gott­se­lig“.

König Karl­mann (876879÷880) und Her­zog Lud­wig I. von Bay­ern (11831231) sind bereits seit dem 17. Jahr­hun­dert als gott­se­lig“ über­lie­fert. Bei­de waren Weg­be­rei­ter der Mari­en­wall­fahrt in Altötting.

Es ist urkund­lich gut bezeugt, wie sehr König Karl­mann der Gott­se­li­ge die Hei­li­ge Maria ver­ehr­te. Das von ihm in (Alt-)Ötting gegrün­de­te Klos­ter stat­te­te er in ers­ter Linie zu Ehren der Mut­ter Got­tes aus. Die – zuerst Ihr geweih­te – dor­ti­ge Pfalz­ka­pel­le berei­cher­te er mit den Reli­qui­en sehr vie­ler Hei­li­ger, dar­un­ter mit einem Kör­per­teil des Apos­tels Phil­ipp. Auch der erst­mals im Sep­tem­ber 878 urkund­lich genann­te Vor­gän­ger­bau der Alt­öt­tin­ger Stift­s­pfarr­kir­che, einer Mari­en­kir­che, stammt von ihm und wur­de von ihm reich dotiert.

Her­zog Lud­wig I. der Gott­se­li­ge erneu­er­te das from­me Werk König Karl­manns des Gott­se­li­gen, indem er zu Alt­öt­ting ein Kol­le­gi­at­stift grün­de­te und groß­zü­gig dotier­te und an der Stel­le der dort von König Karl­mann erbau­ten Basi­li­ka eine Stifts­kir­che errich­ten ließ.

Der Kapu­zi­ner­bru­der, der König und der Her­zog: Sie waren von unter­schied­li­chem Stand. Eines jedoch hat­ten sie gemein­sam: ihre unein­ge­schränk­te Treue zu unse­rem Herrn und Hei­land Jesus Chris­tus und ihre über­aus gro­ße Ver­eh­rung der aller­se­ligs­ten Jung­frau Maria.

Lite­ra­tur zu König Karl­mann“: Rudolf Kess­ler, Einem König auf der Spur, Bio­gra­phi­sche Noti­zen zu König Karl­mann, in: Oettin­ger Land, Band 6 (1986), S. 16 – 69; Josef Pfen­nig­mann, Stu­di­en zur Geschich­te Alt­öt­tings im Früh- und Hoch­mit­tel­al­ter, Alt­öt­ting 1997; Wal­ter Brug­ger, Die her­zog­li­che und karo­lin­gi­sche Pfalz zu Alt­öt­ting, in: Ober­baye­ri­sches Archiv, Band 105 (1980), S. 70 – 101, beson­ders S. 84 – 88; der­sel­be, Agi­lol­fin­ger und Karo­lin­ger – Her­zogs­hof und Königs­pfalz, in: Alt­öt­ting Herz Bay­erns, hg. von der Stadt Alt­öt­ting, Alt­öt­ting 1997, S. 69 – 79; Man­fred Ler­ner, Ein Hauch von Aachen in Alt­öt­ting, in: Oettin­ger Land, Band 23 (2003), S. 228 – 231; Peter Moser, Des Hei­li­gen Rei­ches Zier­de, in: Oettin­ger Land, Band 27, Alt­öt­ting 2007, S. 37 – 40; Peter Moser, Alt­öt­ting, Mythos · Geschich­te · Wahr­heit, Mün­chen 2004, beson­ders: S. 193 – 239; Ver­lag: Sequenz Medi­en Pro­duk­ti­on Dr. Andre­as Mäck­ler, Wel­den 18, D‑86925 Fuchs­tal, Tele­fon: 082 43 / 99 38 46, Fax: 082 43 / 99 38 47, E‑Mail: autor@​xlibri.​de.

König-Karlmann-Hymnus

Geprie­sen bist Du, herr­li­cher Gott, für Karl­mann, den seli­gen Herr­scher,
der sein Herr­schen als Die­nen und Sor­gen erkann­te,
der selbst nur Ver­wal­ter aus Gna­de sich nann­te,
dem Dein Wort und Gebot über alles galt,
der sich Dir allein beug­te und Dei­ner Gewalt. Geprie­sen bist Du, güti­ger Gott, für Karl­mann, den seli­gen Stif­ter,
der der Kir­che ver­mach­te sein Ötting als Erbe,
damit er im Him­mel den Schatz sich erwer­be,
dem kein Dieb und kein Rost bis zum Jüngs­ten Tag,
weder Mot­te noch Räu­ber zu scha­den ver­mag. Geprie­sen bist Du, mäch­ti­ger Gott, für Karl­mann, den seli­gen Schen­ker.
Chris­ti Mut­ter in sei­ner Kir­che er ver­ehr­te,
mit Heil­tum und Gütern den Schatz er ver­mehr­te,
der mach­te Alt­öt­ting bei wei­tem bekannt
als christ­li­che Haupt­stadt im deut­schen Vater­land. Geprie­sen bist Du, ewi­ger Gott, für Karl­mann, den seli­gen König;
denn er dank­te Dir, Vater, die rei­chen Talen­te,
er folg­te Dir, Chris­tus, getreu bis ans Ende,
und im Hei­li­gen Geist fand er Kraft und Mut.
So gelang ihm das Leben end­gül­tig und gut.
Amen.